Marienbad ist eine Stadt im Park. Das ist keine Metapher, sondern eine ziemlich genaue Beschreibung der Realität. Wer durch das Zentrum läuft, bewegt sich die meiste Zeit unter alten Bäumen, auf gepflasterten Wegen zwischen gepflegten Beeten, vorbei an Pavillons und Brunnen und Bänken auf denen man einfach sitzen kann.
Es ist gelungen, die ursprüngliche Parkarchitektur des Parkarchitekten Václav Skalník einzuhalten. Marianske-lazne Das merkt man. Die Anlage wirkt nicht wie ein moderner Stadtpark der irgendwann renoviert wurde, sondern wie etwas das immer so war und das man einfach gepflegt hat.
Ende Oktober haben die Bäume ihr Laub fast vollständig abgegeben. Was im Sommer ein dicht begrünter Park ist, war an unserem Besuchstag ein Spiel aus kahlen Ästen, letzten gelben Blättern und dem Licht das durch das dünner werdende Blätterdach fiel. Die Wege waren mit Laub bedeckt. Es roch nach Herbst, nach feuchter Erde und dem Waldboden der direkt an die Parkränder grenzt.
Wir sind den ganzen Kurpark durchgelaufen, von der Hauptkolonnade bis zur Ferdinandquelle und wieder zurück. Das dauert in gemächlichem Tempo etwa eine Stunde, wenn man stehenbleibt, schaut und die Architektur der Kurhäuser rund um den Park betrachtet. Die meisten stammen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, stehen dicht nebeneinander und bilden eine Kulisse die man aus westeuropäischen Städten so nicht kennt.
Der Park ist kostenlos und das ganze Jahr über frei zugänglich. Im Herbst ist er ein guter Ort zum Nachdenken. Im Sommer ist er ein guter Ort zum Flanieren. Im Winter soll er unter Schnee besonders schön aussehen. Wir haben Oktober gesehen und das hat gereicht um zu verstehen warum der japanische Tourismusrat Marienbad einmal unter die 30 schönsten Städte Europas gewählt hat.
