Marienbad, eine der schönsten Kurstädte Europas

Es gibt Städte die man betritt und sofort versteht warum Menschen schon seit Jahrhunderten hierher kommen. Marienbad ist so eine Stadt. Die Luft riecht nach Wald, die Alleen sind breit und grün, und überall hört man das leise Plätschern der Quellen. Man verlangsamt automatisch den Schritt.

Wo liegt Marienbad

Marienbad liegt im Westböhmischen Bäderdreieck im Kaiserwald, auf einer Höhe von 630 Metern, in einem klimatisch milden nach Süden hin offenen Tal. Auf der Landkarte befindet sich die Stadt im Westen Tschechiens, unweit der deutschen Grenze. Von Dresden aus sind es gut zwei Stunden mit dem Auto, von Nürnberg etwa eineinhalb. Wer aus Bayern oder Sachsen anreist, ist schneller dort als in manchem deutschen Urlaubsort.

Der tschechische Name lautet Mariánské Lázně. Wer ihn das erste Mal lesen will und nicht weiß wie Tschechisch klingt, bleibt meistens bei Marienbad. Das ist auch völlig in Ordnung.

Was Marienbad besonders macht

Seit 2021 gehört Marienbad zum UNESCO-Welterbe der bedeutenden Kurstädte Europas. Das ist keine Formalität. Die Stadt hat sich diese Auszeichnung über zwei Jahrhunderte erarbeitet, durch ihre Architektur, ihre Quellen und ihre Atmosphäre.

Es entspringen hier annähernd einhundert kalte eisenhaltige kohlensaure Quellen unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung, von denen etliche bereits seit dem 16. Jahrhundert bekannt sind. Das ist eine Menge. Andere Kurorte haben drei, vier, vielleicht zehn Quellen. Marienbad hat hundert.

Das Wasser hilft nachweislich bei Stoffwechselerkrankungen, Nierenproblemen, Atemwegsbeschwerden und Beschwerden am Bewegungsapparat. Wer keine Beschwerden hat und trotzdem kommt, findet hier einfach eine Stadt die Ruhe ausstrahlt ohne langweilig zu sein.

Die Kolonnade und die Singende Fontäne

Das Herzstück der Stadt ist die Hauptkolonnade, auch Maxim Gorki Kolonnade genannt. Das im Jahr 1889 errichtete Bauwerk gehört zu den Symbolen Marienbads und darf in keinem Reiseführer fehlen. Mit einer Länge von 180 Metern ist sie die längste Kolonnade in Tschechien.

Davor steht die Singende Fontäne. Ab 7 Uhr morgens spielt sie alle zwei Stunden zauberhafte Melodien zu einem beleuchteten Wasserspiel. Der runde Springbrunnen hat einen Durchmesser von 18 Metern. Wenn man das erste Mal davor steht und die Musik einsetzt, wirkt es fast kitschig. Zwei Minuten später ist man einfach froh, da zu sein.

Berühmte Gäste und eine lange Geschichte

Marienbad hatte nie ein Problem damit, bekannt zu sein. Zu den bedeutendsten Besuchern gehörten der englische König Edward VII. mit neun Besuchen, Johann Wolfgang von Goethe, Frédéric Chopin, Richard Wagner, Sigmund Freud und Thomas Alva Edison.

Goethe war mehrmals hier und verliebte sich in Marienbad mit über 70 Jahren noch einmal. Die Straßen, durch die er spaziert ist, sehen heute nicht viel anders aus. Das ist das Schöne an einer Stadt die sich selbst treu geblieben ist.

Was man außerdem machen kann

Die Umgebung eignet sich hervorragend zum Wandern. Rings um Mariánské Lázně gibt es zahlreiche Wanderrouten. Der Aussichtsturm Rozhledna ist ein lohnender Spaziergang, ebenso der geologische Lehrpfad durch den Kaiserwald.

Der 18-Loch-Golfplatz des Royal Golf Club Mariánské Lázně wurde am 21. August 1905 von König Edward VII. eröffnet und ist damit der älteste noch existierende Golfplatz Tschechiens. Wer Golf spielt, kommt hier also an einem historischen Ort unter freiem Himmel auf seine Kosten.

Im Winter gibt es Langlaufloipen und eine Skipiste, im Sommer Tennisplätze, Radwege und Cafés die nicht unter Druck stehen, schnell zu sein.

Warum man Marienbad besuchen sollte

Weil es eine Stadt ist die zeigt, wie ein Kurort aussehen kann wenn er nicht versucht modern zu wirken sondern einfach gut bleibt was er ist. Die Architektur aus dem 19. Jahrhundert steht noch. Die Quellen sprudeln noch. Die Alleen sind noch da.

Man kommt nicht nach Marienbad weil es hip ist. Man kommt weil es schön ist und weil man danach langsamer denkt als vorher. Das ist seltener als man glaubt.