Als wir am 25. Oktober in Marienbad ankamen, war die Singende Fontäne nicht in Betrieb. Die Renovierung lief noch, der Bereich davor abgesperrt, und das Wasserspiel das wir so oft auf Fotos gesehen hatten, blieb an diesem Tag still. Schade, aber kein Weltuntergang. Denn wer mit anderen Besuchern ins Gespräch kommt, hört schnell warum die Fontäne seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Anlaufpunkten der Stadt gehört.
Die Singende Fontäne wurde zwischen 1982 und 1986 als Teil der Rekonstruktion des Promenaderaums der Maxim Gorki Kolonnade aufgebaut. Das erste Musikstück, eigens für die Fontäne komponiert, stammt von Petr Hapka. Es folgten Stücke von Mozart, Smetana, Dvořák, Chopin und Bach. Zum ersten Mal ertönte sie am 30. April 1986.
Die Hauptfontäne reicht bis zu sechs Meter in die Höhe. Eine Computersteuerung koordiniert mehr als 300 Düsen, abgestimmt auf die jeweiligen Klänge der Musik. In den Abendstunden kommt eine Lichtshow dazu die das Wasser in verschiedenen Farben leuchten lässt. Wer das einmal gesehen hat, beschreibt es fast immer gleich: man bleibt stehen und geht nicht weg.
Die Fontäne ertönt täglich ab 7 Uhr zu jeder ungeraden Stunde. Ab 21 und 22 Uhr gibt es zusätzlich eine Projektion mit Farbbeleuchtung. Das bedeutet man hat über den Tag verteilt viele Gelegenheiten das Wasserspiel zu sehen, ohne lange warten zu müssen. Morgens früh hat man die Fontäne fast für sich alleine. Abends steht man unter der beleuchteten Kolonnade und schaut dem Wasser beim Tanzen zu.
Was die Fontäne von einem gewöhnlichen Springbrunnen unterscheidet, ist nicht die Technik alleine. Es ist die Verbindung aus Ort, Musik und Wasser. Die Hauptkolonnade als Kulisse, die Töne die durch die Gusseisenkonstruktion klingen, das Wasser das exakt auf den Rhythmus abgestimmt ist. Das ist kein Tourismusgimmick der irgendwann hingestellt wurde. Die Fontäne ist seit fast 40 Jahren Teil des Stadtbilds und gehört zu Marienbad wie die Quellen und die Alleen.
Ein älteres Paar das wir im Kurpark getroffen haben, war zum wiederholten Mal in Marienbad und sagte uns, die Abendvorstellung mit Lichtshow sei jedes Mal ein Erlebnis. Man stehe da im Herbst oder im Frühjahr, der Park sei fast leer, die Musik fange an und man vergesse kurz wo man sei. Das klingt übertrieben. Aber Marienbad ist eine Stadt die dazu einlädt, Dinge kurz zu vergessen.
Wir haben die Fontäne bei unserem Besuch im Oktober 2024 nicht in Betrieb erlebt. Die Renovierung lief und wir haben uns mit dem Anblick der Kolonnade ohne Wassershow begnügt, was ehrlich gesagt auch nicht wenig ist. Beim nächsten Besuch steht die Fontäne ganz oben auf der Liste. Abends, wenn die Lichter angehen.
