Die Hauptkolonnade, das Herzstück der Stadt

Es gibt Gebäude die man fotografiert und dann schaut man auf das Foto und denkt: das stimmt irgendwie nicht. Die Kolonnade in Marienbad ist so ein Gebäude. Nicht weil das Foto schlecht wäre, sondern weil der Bau in der Realität mehr ist als jedes Bild davon.

Die nach Maxim Gorki benannte Hauptkolonnade mit ihrer einzigartigen gusseisernen Konstruktion im pseudobarocken Stil entstand zwischen 1888 und 1889 nach Plänen der Architekten Miksch und Niedzielski. Von außen sieht man die filigrane Eisenkonstruktion, die Bögen, die Verzierungen. Von innen schaut man hoch und erkennt eine Kassettendecke aus Holz mit Deckenfresken, die der Maler Josef Vyleťal 1979 entworfen hat.

Mit einer Länge von 180 Metern ist sie die längste Kolonnade in Tschechien. Ostsachsen Man braucht eine Weile um einmal durchzulaufen, vor allem wenn man stehenbleibt, schaut und dann nochmal zurückschaut.

An den Wänden der Kolonnade befinden sich die Zapfhähne der Quellen. Kreuzquelle, Karolinaquelle, Rudolfquelle. Man zieht einen Kurbecher heraus oder trinkt direkt aus dem Hahn und probiert. Das Wasser schmeckt nach Mineralien, leicht sprudelnd, etwas wie sehr spezifisches Mineralwasser. Nicht für jeden sofort angenehm. Aber nach dem zweiten Schluck gewöhnt man sich daran, und nach dem dritten versteht man warum Menschen seit 200 Jahren extra hierher reisen um es zu trinken.

Als wir Ende Oktober dort waren, war die Kolonnade fast leer. Wir hatten den langen Bau für uns alleine. Im Sommer läuft hier die halbe Kurgesellschaft auf und ab, flaniert, trinkt, plaudert. Das ist der ursprüngliche Gedanke dahinter: man trifft sich, bewegt sich langsam, trinkt das Wasser in kleinen Schlucken und hat dabei etwas Schönes zum Anschauen. Ende Oktober sieht das anders aus, aber die Stimmung ist dadurch nicht schlechter. Nur ruhiger.

Die Kolonnade ist kostenlos zugänglich. Man kann einfach hineinspazieren, die Architektur auf sich wirken lassen und an den Quellen trinken. Einen Kurbecher sollte man mitbringen oder vor Ort kaufen, der kostet ein paar Euro und ist gleichzeitig das praktischste Souvenir aus Marienbad. Er passt genau in eine Hand und hat eine Tülle damit das Mineralwasser nicht spritzt.